Ausbildung als Raumausstatter

Raumausstatter – Top 10 der beliebtesten Ausbildungsberufe (USA)

Raumausstatter!? – Letztens war ich auf dem Weg zur Arbeit, als die Moderatorin im Radio die beliebtesten Ausbildungsberufe in den USA aufzählte. Darunter den Raumausstatter. Ich dachte erst, mich verhört zu haben, denn in Deutschland wissen viele nichts mit diesem Berufsfeld anzufangen oder haben eine falsche Vorstellung.

Wir erhalten jedes Jahr Bewerbungen von jungen Mädels, die denken, dass es einzig und allein darum geht einen Raum hübsch zu dekorieren. Was viele nicht wissen ist, dass die Ideen, wie man neue Möbel mit den richtigen Gardinen, Tapeten und Bodenbelägen ausstattet, auch selbst vom Raumausstatter umgesetzt werden. Denn hier gilt die Formel:

5 Gewerke = 1 Beruf

Der Raumausstatter vereint die Berufsbilder Bodenleger, Maler/Tapezierer, Polsterer, Näher, Verkäufer und Dekorateur in sich. Das heißt, hier wird nicht nur eine ordentliche Portion Kreativität verlangt, sondern auch handwerkliches Geschick. Hinzukommen Fähigkeiten wie räumliches Sehen/Denken und kommunikative Kompetenz, um die Kunden zu informieren, zu beraten und Konzepte unter Einbeziehung der Kundenwünsche zu präsentieren.

In diesem Video erklärt Nicole (Auszubildende bei Teppich Schmidt) dem OnAir-Jugendmagazin von Meißen Fernsehen das Berufsbild und gibt Tipps für alle, die sich auch für diesen Beruf bewerben wollen.

Raumausstatter – Ein Beruf für beide Geschlechter

Es gibt viele Berufe, die entweder von Frauen oder Männern dominiert werden. Ganz klischeehaft können wir hier die Friseurin und den Fliesenleger benennen. Der Raumausstatter wiederum ist für beide Geschlechter attraktiv. Während die Mädels lieber der kreativen Ader beim Nähen und Polstern folgen, haben die Jungs meist mehr Freude am Handwerklichen (Böden verlegen, Malern). Geschult werden während der Ausbildung jedoch alle fünf Bereiche. So müssen die Jungs das Nähen beherrschen und die Mädels das Bodenlegen. Alle Stationen werden durchlaufen, um sich dann im 3. Lehrjahr auf einen Bereich zu spezialisieren.

Bei Teppich Schmidt ist es so, dass wir seit Jahren mehr Mädels in diesem Beruf ausbilden. Seit langem haben wir dieses Jahr mal wieder einen männlichen Raumausstatter als Lehrling, der unser Frauen-Team tatkräftig unterstützt. In den Berufsschulklassen sind jedoch meistens mehr Jungs als Mädels.

 

Welche Noten brauche ich bzw. braucht unser Kind?

Das ist die häufigste Frage, die uns auf Messen, bei Praktika oder beim Probearbeiten gestellt wird. Im Vordergrund stehen für uns jedoch nicht die Noten, sondern die Motivation und die Leidenschaft des Bewerbers, und ob das Zwischenmenschliche stimmt, sprich, ob der Bewerber ins Team passt.

Natürlich werfen wir auch einen Blick auf die Zeugnisnoten, zum Beispiel in Mathe, Kunst, Naturwissenschaften und Deutsch. Daraus lässt sich einiges ableiten. Aber selbst mit einer Vier in Mathe kann ein Bewerber bestens geeignet sein, wenn er die Leidenschaft zum Beruf mitbringt. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass der Bewerber sich die mathematischen Kenntnisse in diesem Zusammenhang leichter merkt und verinnerlichen kann, als das schulische Wissen für dieses Fach.

 

Praktikum als Sprungbrett richtig nutzen

An dieser Stelle erzähle ich immer gern von unserer Auszubildenden Laura. Dass sie zu uns kam, hatte nichts mit ihren Noten zu tun, aber ihre Geschichte ist etwas Besonderes. Sie zeigt, dass nicht immer nur Zahlen und Fakten entscheidend sind, sondern ebenso die Soft-Skills.

Laura hatte im August 2017 bei uns ein 2-wöchiges Praktikum als Raumausstatterin begonnen. Zeitgleich begannen zwei Raumausstatter ihre Ausbildung. Wir bemerkten schnell, dass Laura handwerklich begabt ist, kreative Ideen und ein sehr natürliches und freundliches Auftreten hat und sich sofort mit ins Team einbrachte.

Das erlebt man bei einem Praktikanten heutzutage leider selten. Die meisten sind ganz zurückhaltend und warten ab, was mit ihnen passiert, oder welche Aufgaben ihnen als nächstes zugeteilt werden. Sinnbildlich könnte man sagen: Sie reagieren nur, anstatt selbst zu agieren!
Das macht einen großen Unterschied.

Am Ende des Praktikums bat ich Laura zum Gespräch. Ihre Art und Weise, ihre Leidenschaft zum Handwerk und ihre Kreativität haben mich fasziniert. Ich bot ihr einen Ausbildungsvertrag mit sofortigem Start an. Ihre Augen leuchteten, als sie diesen dankend annahm und sichtlich überrascht war. Denn, wie oben erwähnt, hatten bereits zwei Raumausstatter Azubis in diesem Jahr begonnen. Wir stellten Laura also über unseren Bedarf ein und bereuen es keinen Tag.

 

Egal wo du Praktikum machst:

Zeig dich so wie du bist, verstelle dich nicht und halte dich nicht zurück. Die Unternehmen wollen DICH in dieser kurzen Zeit kennenlernen und dich in deiner Berufswahl unterstützen. Nutze die Chance und stelle Fragen zum Berufsalltag, zum Betriebsklima und zu den Ausbildungsinhalten. So lernst auch du das Unternehmen bzw. den Beruf kennen und kannst entscheiden, ob es das Richtige für deine Zukunft ist. Agiere, statt nur zu reagieren!

 

Alles Gute und viel Erfolg für deine berufliche Zukunft!

Holger Schmidt