Ich bin zurück!

Wie ich von „Teppich Schmidt“ zum „Heilsarmee Schmidt“ wurde und wieso ich jetzt wieder „Teppich Schmidt“ bin.

2010 trat ich der Gemeinde Heilsarmee bei und wurde Soldat. Ich gebe zu, dass mir die militärischen Begriffe heute noch Schwierigkeiten bereiten. Doch mich faszinieren nach wie vor die  Geschichte, ihre Begründer und ihr Auftrag. Dieser ist ganz klar „Liebe deinen Nächsten“. „Liebe“ entgegenbringen, die Einem als nächstes begegnet. All dies gilt ohne Ansehen der Person.

Ich half gern mit in der Gemeinde und traf dabei interessante Persönlichkeiten mit meist schwierigem Hintergrund. Hier erkannte ich, dass diese Leute Hilfe bitter nötig hatten und dass ich dort gebraucht wurde. Immer deutlicher wurde der Ruf als Vollzeitmitarbeiter bei der Heilsarmee.  Auf der anderen Seite gab es ja auch noch Teppich-Schmidt.

Meine Firma habe ich 1994 als Ein-Mann-Betrieb mit meiner Frau Regina gegründet und muss sagen, dass ich vom schnellen Wachstum begeistert war. Bereits zwei Jahre später konnten wir eine weitere Filiale eröffnen, und in den darauffolgenden Jahren noch einige. Wenn ich heute zurückblickte, hatten wir insgesamt 10 verschiedene Filialen im Gebiet Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Bayern.

Und nun der Ruf in die Heilsarmee. Sie können sich sicher an dieser Stelle meinen Zwiespalt vorstellen. Ich nahm mir gedanklich eine Auszeit. Gott sprach zu mir sehr deutlich: „Verkaufe deine Firma!“. Eine eindeutige Aussage, die mich stark traf. Jetzt erst merkte ich: mein Herz hängt an dem Unternehmen. Haben doch meine Frau und Kinder sehr viel dahinein investiert und auch viele Opfer gebracht.

Aber, in meinem Glauben ist Treue wichtig und so sprach ich mit meiner Frau. Wir beteten darüber und wie so oft stand sie hinter mir und sagte mir ihre Unterstützung zu. In der gleichen Woche boten wir das Unternehmen einem Mitwettbewerber an. Keine 24 Stunden später erhielten wir die Ablehnung. Dass verstand ich gar nicht, sah ich doch so klar, dass ich zu diesem Kaufinteressenten gehen sollte.

Ich rang weiter im Gebet und blieb vorerst in einer Warteposition, leitete meine Firma und gleichzeitig nahm ich mich immer mehr der Heilsarmee an. Nach einiger Zeit kam Regina auf mich zu, ihr Angebot: „Verkaufe alle Filialen außer unser Stammhaus in Meißen und ich übernehme die Leitung“. Da war ich überrascht, sprachlos und wahnsinnig dankbar. Innerhalb von einem Jahr waren alle Filialen verkauft und wie ein Wunder, wir mussten nicht einen einzigen Mitarbeiter betriebsbedingt kündigen. Einige gingen in den Ruhestand, andere vermittelten wir, wieder andere konnten ins Stammhaus Meißen wechseln. Meine Frau übernahm 2012 die Leitung von „Teppich Schmidt“ und ich stellte mich komplett in den Dienst der Heilsarmee und war fortan Gemeindeleiter in Meißen. Kurz: „Heilsarmee Schmidt“.

Meine Vision war, Menschen zu dienen und aus ausweglosen Situationen heraus in Arbeit zu bringen. Ein Spruch, welcher mich immer wieder begleitete: Das größte Almosen ist, Menschen Arbeit zu geben. Zudem war mir wichtig, die Gemeinde wirtschaftlich selbständig und eigenständig zu machen. Heute, nach 5 Jahren, kann ich sagen: „Das Ziel war erreicht!“.

Aber, ich möchte offen sein: ich konnte es nicht lassen Teppich Schmidt aufzugeben. Nach einem ganzen Arbeitstag bei der Heilsarmee sowie samstags ging ich ins Geschäft. Nicht nur, um meine Frau zu unterstützen und sie zu entlasten, sondern weil ich eins liebe: den Verkauf, Visionen zu entwickeln und Menschen zu führen!

Und dann gab es noch etwas. Seit längerem reifte in mir ein weiterer Traum: ein neues soziales Projekt, der „Endlich Leben Hof“. Da dieses Projekt mit der Heilsarmee selbst nicht zu realisieren war, mein Herz jedoch dafür brannte, stand ich erneut im Zwiespalt. Einerseits der Gehorsam gegenüber den Entscheidungen meiner Vorgesetzten, andererseits die Vision und die Not der Menschen.
Nun brauchte ich wirklich eine Auszeit! Ich musste mir über meine zukünftigen Visionen klar werden. Was will ich und vor allem, wo möchte mich Gott hinhaben? Die Überschrift verrät es schon. Ich habe mich für mein neues Projekt, den „Endlich leben Hof“ entschieden. Die Leitung bei der Heilsarmee konnte an einen Kollegen aus Dresden abgegeben werden. Seit einigen Monaten bin ich wieder voll und ganz in meiner Firma „Teppich Schmidt“ involviert. Meiner Frau kann ich nur danken, sie hat mich fantastisch vertreten, die Firma weiter voran gebracht und viele neue Dinge eingeführt. Grade in Bezug auf Themen wie Service, Qualität und Mitarbeiter-Führung hat Regina mit unserem Team in den letzten Jahren einen sehr großen Schritt nach vorn gemacht. Doch auf Dauer in erster Reihe zu stehen hat ihr viel Kraft gekostet und nun ist es an der Zeit, sie wieder mehr zu entlasten.

Ich freue mich wieder Vollzeit im Geschäft zu sein und als Hobby meine Visionen umsetzten zu können. Für den Weg den ich gehen durfte, mit all seinen Stationen, bin ich sehr dankbar. Er hat mich zu mehr Reife geführt.

 

Ich wünsche Ihnen einen reichlichen Segen,
Ihr Holger Schmidt

holger